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Lese-Ecke des 1. Österreichischen Motorradmuseums

Also sprach Professor Fiala – ein Interview mit Professor Fehn


Prof. Dr. Ernst Fiala ist einer der profiliertesten Automobiltechniker aus Österreich. Der 1928 geborene "Vater des Golf", Automobil- "Papst", gebürtiger Wiener und heutige Wahlkärntner ließ vor Kurzem bei einem durchaus als welt – und weitläufig zu bezeichnenden Gespräch seine ungewöhnlichen und philosophisch tiefschürfenden Ansichten zu manch komplexen Problemen unseres – nicht nur mobilen - Alltags aufblitzen.

... zum Dauerbrenner "Waldsterben": In Mitteleuropa gibt es kein Waldsterben. Die Waldfläche nahm im Gegenteil im Laufe einer Generation um 39 – 48 % zu. Die Ursachen für partielles Waldsterben wie beispielsweise im Riesengebirge liegen sicher nicht bei den Kraftfahrzeugen.

...zur Erdölkrise: Alle Voraussagen über die zur Neige gehenden Ressourcen haben sich als falsch erwiesen. In den 60er Jahren wurden noch Erdölvorräte für 35 Jahre vorausgesagt, heute, 40 Jahre später werden wieder einmal Vorräte für 45 Jahre vorausgesagt. Und das ohne Berücksichtigung der Ölschiefer und Motnarhydratvorkommen aus der Tiefsee.

...über das CO2 Problem: Eine Reduktion um 20% oder wie von Uneinsichtigen sogar von 40 % ist unmöglich. Da müßte man massive Eingriffe in die Infrastruktur der 3. Welt wie China und Indien, wo sich 2/3 der schnell wachsenden Erdbevölkerung befinden, machen. Da können wir Österreicher auch nichts machen. Und unsere oftmals beschworene "Vorbildwirkung" ist auch nur begrenzt. Um der Diskussion einen Sinn zu geben, sollte man sich die Frage stellen: Welcher CO2 Pegel ist denn erwünscht ? Bei 500 ppm würden beispielsweise Getreide und Pflanzen besser wachsen.

...zum Thema "die Arbeit geht aus": Idee: Willst du Arbeit, dann produziere etwas. Denn wäre "keine Arbeit" etwa besser ? Natürlich haben Gewerkschaften auch recht, wenn sie meinen, daß die Maschinen immer mehr menschliche Arbeit (im Durchschnitt etwa 5 % pro Jahr) übernehmen und damit die Lebensarbeitszeit bei steigender Lebenserwartung sinkt.

...zur Überfüllung des Verkehrsraumes: Die Fahrzeugbestände wurden immer als degressiv vorausgesagt, in Wirklichkeit entwickeln sie sich progressiv. Beispielsweise steigt der bestand in Wien jährlich um 3% (ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage). Es gibt alles in der Menge, die man zu zahlen bereit ist. Staukosten sind disproduktiv zu den Staukosten. Lösungsansatz wäre beispielsweise zweckgebundenes Road Pricing. Neue politische Ansätze sind gefragt. Beispielsweise wird in Kalifornien die Haftpflichtprämie mit dem Spritpreis eingehoben, die Fixkosten für das Fahrzeug damit entscheidend gesenkt. Die Haftpflicht teilt sich damit auf die gefahrene Strecke auf.

... zur Neuentwicklung des Autos: Autos werden bleiben wie sie von der Größer her sind und nicht kleiner sondern eher größer werden. Siehe Micro Vans.

... zur Zukunft des Hubkolbenmotors: ihm ist noch eine lange Zukunft beschert. Ob Otto- oder Diesel ist noch offen. Der Tag der Wahrheit bricht erst dann an, wenn die neuen Systeme wie Brennstofzelle usw. in direkte Konkurrenz zum Hubkolbenmotor treten werden.

...zum Thema Sicherheit (aktiv und passiv): in der Natur gibt es keine passive Sicherheit. Sie setzt auf die Intelligenz der Lebewesen. Wenn ein Hase gegen ein Hindernis rennt, erschlägt er sich. Die Natur löst das Problem mit aktiver Sicherheit. Doch der Mensch setzt jedes Plus an aktiver Sicherheit im Tempo um.


Professor Fiala und das Motorrad

Prof. Fehn: Mögen sie Motorräder ?

Prof. FIALA: Ja, ich bin selbst Motorrad gefahren. Den Führerschein hatte ich 1947 auf einer Indian mit Beiwagen gemacht. Der Fahrlehrer, der es immer haßte, durch mich im sogenannten "Maschinenkurve" im Beiwagen ausgehebelt zu werden, zischte mir bei 8er Fahren vor der Prüfungskommission zu: "Fiala, wenn´s mich auflupfen, fliegen sie garantiert durch".
In meiner Jugend hatte ich ein Puch 150 – ja, die mit den großen 19 Zoll Rädern. Ich erinnere mich, ich fuhr auch einen ganzen Winter lang damit.
Im Zuge meiner beruflichen Laufbahn bin ich immer wieder mit Motorrädern gefahren. Motorradfahren ist Spaß und ich hatte Freude daran.

Prof. Fehn: Was fuhren Sie alles ?

Prof. FIALA: Bei VW hatten wir immer wieder Maschinen. So erinnere ich mich an Hondas, Harley Davidson, BMW und Moto Guzzi. Und in besonders starker Erinnerung ist mir eine KTM 250 Geländesportmodell. Damit fuhr ich im unbefestigten Prüfgelände ziemlich ungebremst herum und bekam immer mehr Spaß an der Sache. Doch bei einem Sprung kam ich schlecht auf, ich sah im Sturz noch die Maschine an mir vorbeiziehen. Daß ich am ganzen Körper blaue Flecken hatte, störte nicht weiter, doch es galt die blauen Flecke im Gesicht zu verbergen, denn am nächsten Tag hatten wir eine Aufsichtsratsitzung. Meine Frau hat mich dann ordentlich geschminkt, damit ich mich dort ohne "Gesichtsverlust" sehen lassen konnte. Das war ca. 1975.

Prof. Fehn: Motorradmotoren sind schön, Automotoren häßliche Trümmer, die man oftmals mit Plastikdeckeln "schönen" muß. Sehen sie das auch so ?

Prof. FIALA: Motorradmotoren sind üblicherweise schöner gebaut als Automotoren. Ich habe mich immer bemüht, der Ästhetik im Autobau Platz einzuräumen. So hatte beispielsweise unser Heckmotor-Sportmodell herausragend Zylinderdeckel aus Leichtmetall in polierter Ausführung.

Prof. Fehn: Es gab im VW-Konzern immer Prototypen mit 2 und 3 Rädern.

Prof. FIALA: Ca.1978 war das das Audi Motorrad mit modifiziertem Polo Motor und Hubräumen von 1300 bis 1600 ccm. Das war leider das falsche Triebwerk, ein schreckliches Fahrzeug, ich habe mich nie draufgesetzt.

Der dreirädrige VW Scooter der Mittachtziger war schon besser. Es sollte ein Motorrad ohne dessen Nachteile werden, schon mit dem "dicken Rad" hinten und der Lenkachse vorn, so daß auch Nichtmotorradfahrer ein Motorradfahrgefühl quasi mit Autosicherheit bekommen. Darüber hinaus war das Konzept ideal geeignet für die windschlüpfige Tropfenform. Leider hatten wir den falschen Motor (von BMW, Anm. d. Verf.) vorgesehen.

Prof. Fehn: Was halten Sie heute von Motorrädern?

Prof. FIALA: Ich würde mir gern wieder eine Maschine zulegen, aber meine Frau ist dagegen.

Zusatzfrage eines zufällig dabei stehenden Journalistenkollegen: Hast denn dabei überhaupt keine Angst ?

Prof. FIALA: Nein, wovor denn ?